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Bei den Grünen in Gießen mußte das ‘Grüne Zentrum’ in der Plockstraße neu hergerichtet werden. Dabei fiel ein Haufen Dreckarbeit an, bei der Barbara und ich uns ziemlich einsetzten, z.B. mußte der ganze alte Putz von den Wänden geschlagen werden. Unser Einsatz hat Ute imponiert. Ihre Familie hatte mit einer anderen Familie gemeinsam ein altes Bauernhaus in Fraissinet (bei Florac) in den Cevennen gekauft, das sie sich in mühevoller jahrelanger Arbeit in den Ferien herrichteten. Sie war daran interessiert, daß wir dort im Sommer wohnen könnten, bis sie im Herbst selber kommen wollten. Einzige Bedingung war, wir sollten für Holz aus dem nahegelegenen Wald sorgen, damit sie sorglos in ihrem riesengroßen alten Kamin losheizen konnten, wenn sie dann kamen. - Das ließen wir uns nicht zweimal sagen.
Peter Kurzeck, Sybille und ihre kleine Tochter Carina kamen später nach, sodaß wir eine Zeitlang zusammen in diesem schönen alten Haus wohnten. Allerdings war das auch das Ende unserer gemeinsamen Entwicklung. Peter hatte sein zweites Buch (“Das schwarze Buch”) beendet bei dem Verlag ‘Roter Stern’ in Ffm und war ziemlich fertig. Er hatte so gut wie keine Lust, sich an den anfallenden Arbeiten zu beteiligen (Putzen, Spülen, Essen vorbereiten, Holzholen usw.). Stattdessen beliebte er im Sonnenschein am Frühstückstisch uns mit Geschichten zu unterhalten. Was ja auch alles gut gegangen wäre, hätte er nur einmal die Bitte geäußert, daß wir seine Arbeiten für ihn miterledigen sollten.
Eines schönen Spätnachmittags kam er dann mit einem langen Ast Holz, den er hinter sich herschleifte, aus dem Wald herunter, worauf es aus mir rausplatzte (ich machte gerade Holz klein bei der Kastanien-Hütte): Was er für ein juristisches Stück Holz hier herschleife, das keinen wärme?
Das war dann der Anlaß, daß sie abreisen wollten.
Seine Sichtweise erhielt ich später von Wolfram, einem alten Bekannten von ihm aus seiner Lehrlingszeit: Ich hätte mich nur immer hingesetzt und mich systematisch besoffen. Das mußte mir von jemand zum Vorwurf gemacht werden, der wie keiner sonst den (poetischen) Alkoholismus* beispielsweise von Dylan Thomas verherrlichte (nachdem wir uns oft genug noch schnell in Lollar kurz vor Ladenschluß eindeckten). Aber nach seinem zweiten Buch wurde er abstinent. Und das war eben in Fraissinet leider der Fall.
* vgl. dazu auch Ulrich Horstmann: "Es ist mein Auftrag von Gott, Säufer zu sein": Literatur als Flaschenpost. - In der Rubrik “Bisherige Ausgaben” vom “Marburger Forum - philoSOPHIA” : Marburger Forum Jahrgang 5 (2004), Heft 6 in
http://www.philosophia-online.de/
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